„Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein.“ Lukas 13,30


Jesus spricht bildhaft davon, dass letztendlich Menschen aus allen Himmelsrichtungen an einem reich gedeckten Tisch sitzen werden. Ich stelle mir einen runden Tisch vor: Rund herum um den Tisch sitzen die Letzten, die zuerst Platz nehmen dürfen. Die Frage ist, ob die Ersten zuletzt auch noch einen Platz bekommen. Soviel ist sicher, an einem runden Tisch gibt es keine bessere oder schlechtere Seite! Allerdings macht Jesus klar, dass vielen Menschen zuletzt das Lachen vergehen wird…

Nun bin ich der Letzte, der behauptet, zu wissen, für wen die Himmelspforte weit geöffnet sein wird und wer am Ende davor steht und verzweifelt anklopft. Nur so viel ist sicher: Ewiges Leben beginnt nicht erst nach dem Tod, sondern mitten im Leben – in einer lebendigen Beziehung mit Jesus Christus. Ich denke, dass Jesus herausfordert, die Vision von den Völkern, die an einem Tisch sitzen werden, hier und heute zu realisieren – zumindest ansatzweise. Wenn ich Jesus richtig verstehe, reicht es einfach nicht, schöne Gottesdienste zu feiern. Selbst wenn in einer Gemeinde im Namen Jesu Zeichen und Wunder geschehen, kann es sein, dass Jesus am Ende sagt:
„Ich kenne euch nicht“! (vgl. Mt 25,10-12). Das ist hart. Ich denke, Jesus will uns aus der Komfortzone holen.



Verbunden mit dem Erntedankfest wird uns wieder neu bewusst, wie gut es uns geht. Wir können Gott nur dankbar sein. Wir haben mehr als wir zum Leben brauchen. Und nicht zu vergessen: Wir leben in Freiheit. Die Frage ist, was wir daraus machen? Sind wir bereit, mit denen zu teilen, die weniger haben als wir? Nutzen wir die Freiheiten, die wir haben, um Menschen Gutes zu tun und ihnen einen Vorgeschmack auf das himmlische Festmahl zu geben? Das Erntedankfest kann uns gewissermaßen einen Vorgeschmack auf das geben, was noch kommt – vorausgesetzt, wir gehören zu denen, die gerade den Menschen Gutes tun, die das als letztes erwarten würden. Von daher sollten wir vielleicht die Prioritäten in unserem Leben noch einmal überdenken! Damit wir am Ende nicht zu den Ersten gehören, die als letztes vor verschlossener Himmelspforte stehen. Entscheidend wird sein, dass wir zuerst nach Gottes Reich und nach seiner Gerechtigkeit trachten.

Ich wünsche ein gesegnetes Erntedankfest, Pastor Roland Bunde